Essstörungen

Was sind Essstörungen?

Eine starke Einschränkung der Nahrungsaufnahme, übermäßige Kontrolle oder der Verlust der Kontrolle über das Essverhalten können Ausdruck einer Essstörung sein. Am weitesten verbreitet sind Magersucht (Anorexia nervosa), Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) und Esssucht ohne Erbrechen (Binge-Eating).

Essstörungen beginnen oft in der Pubertät oder dem jungen Erwachsenenalter. Mädchen und Frauen erkranken deutlich häufiger an Anorexia nervosa und Bulimia nervosa als Buben und Männer. Es wird geschätzt, dass in westlichen Industrienationen innerhalb eines Jahres 0,4 Prozent der jungen Frauen von Anorexia nervosa und 1,5 Prozent von Bulimia nervosa betroffen sind.

Neben bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen, belastenden Lebensereignissen und genetischen sowie physiologischen Faktoren stellen soziokulturelle Faktoren, insbesondere das gesellschaftliche Schlankheitsideal, Risikofaktoren für die Entwicklung einer Essstörung dar.

Essstörungen können mit weiteren psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen, einer Posttraumatischen Belastungsstörung, Substanzabhängigkeit beziehungsweise -missbrauch und Persönlichkeitsstörungen einhergehen.


Anzeichen und Symptome

Von Anorexia nervosa Betroffene haben trotz Untergewicht eine große Angst, die Kontrolle über ihr Essverhalten zu verlieren und zuzunehmen. Sie nehmen sich selbst als zu dick wahr. Körper und Gewicht sind sehr bedeutend für das eigene Selbstkonzept. Typische Symptome sind eine starke Einschränkung der Nahrungsauswahl, übermäßige körperliche Aktivität, das Erbrechen der aufgenommenen Nahrung und die Verwendung von Abführmitteln und Appetitzüglern. Anorexia nervosa kann auch mit Essanfällen einhergehen. Das Gewicht der Betroffenen ist so niedrig, dass eine körperliche Gefährdung bis hin zur Lebensgefahr bestehen kann.

Ähnlich der Anorexia nervosa ist auch bei Betroffenen der Bulimia nervosa die Sorge um die Körperform und das Körpergewicht unverhältnismäßig groß. Charakteristisch für die Bulimia nervosa sind Essanfälle, die die Betroffenen nicht kontrollieren können. Um nicht zuzunehmen, werden unangemessene gegensteuernde Maßnahmen (beispielsweise Erbrechen, Hungern, Verwendung von Abführmitteln) angewendet.

Die Binge-Eating Störung äußert sich ebenso in als unkontrollierbar erlebten Essanfällen. Die Betroffenen wenden jedoch keine gegensteuernden Maßnahmen zur Verhinderung der Gewichtszunahme an, weshalb sie häufig übergewichtig sind. Die Essanfälle können mit Schuldgefühlen, Ekelgefühlen und einer allgemeinen Deprimiertheit einhergehen und lösen deutliche Leidenszustände aus.

Behandlungsmöglichkeiten

Essstörungen können psychotherapeutisch behandelt werden. In der Psychotherapie werden verschiedene Bereiche fokussiert. Dazu gehören die Normalisierung des Essverhaltens und Gewichts, die Verbesserung der Körperwahrnehmung, die Veränderung der Einstellungen und Gefühle gegenüber der eigenen Figur sowie die Bearbeitung von möglichen Problemen und Belastungen, die der Essstörung zugrunde liegen.

Neben psychotherapeutischen und diätologischen Maßnahmen ist eine umfassende medizinische Versorgung der Betroffenen wichtig.

Bei schweren Verläufen mit einer hohen körperlichen Gefährdung, bei weiteren psychischen Erkrankungen oder bei Nicht-Wirksamkeit der ambulanten Therapie wird eine stationäre Behandlung empfohlen.


Telefonische Hilfe und Beratung

Hotline für Essstörungen: 0800 20 11 20 (Mo-Do, 12-17 Uhr) oder E-Mail-Beratung unter hilfe@essstoerungshotline.at

Psychiatrische Soforthilfe: 01/313 30 (24h, auch sonn- und feiertags)

Telefonseelsorge: 142 (24h, auch sonn- und feiertags)

Kriseninterventionszentrum: 01/406 95 95 (Mo-Fr, 10-17 Uhr)

Rat auf Draht: 147 (24h, auch sonn- und feiertags)

aktualisiert am 16. Dezember 2019
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